Nach Jahren kaum wahrgenommen in den USA findet Roman Polanskis Historiendrama «Intrige» nun ein breiteres amerikanisches Publikum. Der Gewinner des Großen Preis der Jury von Venedig 2019, in den USA von Vitagraph Films verliehen, hat seine Kinoauswertung über die ersten Vorstellungen in New York hinaus ausgeweitet und läuft demnächst in zahlreichen großen Städten.
Ein langer Weg in die US-Kinos
Der späte US-Start von «Intrige» steht beispielhaft für die Probleme internationaler Auswertung. Das auf der berüchtigten Dreyfus-Affäre basierende Werk feierte vor sechs Jahren in Venedig Premiere und wurde in Europa sofort gefeiert.
Trotzdem ließ der US-Start jahrelang auf sich warten. Erst im August 2025 kam der Film im New Yorker Film Forum heraus – begleitet von Neugier und Diskussionen. Vitagraph Films weitet den Einsatz nun aus; Vorstellungen sind unter anderem in Dallas, Washington, D.C., Fairfax und Sacramento bestätigt.
Die Dreyfus-Affäre neu auf der Leinwand
Paris, 1895: Hauptmann Alfred Dreyfus wird zu Unrecht der Spionage beschuldigt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Jean Dujardin spielt Georges Picquart, den Offizier, der Hinweise auf Dreyfus’ Unschuld findet und ein Labyrinth aus Korruption und Antisemitismus innerhalb des französischen Militärs offenlegt. Die Darstellerinnen und Darsteller – darunter Louis Garrel als Dreyfus – sowie das akkurate Produktionsdesign zeichnen das Bild einer Gesellschaft, die von Vorurteilen und Machtkämpfen tief gespalten ist.
Zwischen Kunst und Kontroverse
Trotz des Erfolgs erfolgt der US-Start mit angezogener Handbremse. Polanskis persönliche Verstrickungen überschatten weiterhin seine Karriere, und selbst die Vorführung im Film Forum zog Gewerkschaftskritik auf sich.
Dennoch halten viele «Intrige» für eines der stärksten Spätwerke des Regisseurs, eine Mischung aus historischem Drama und Gerichtsthriller. Die verspätete US-Auswertung deutet zudem auf eine baldige Blu-ray- oder Streaming-Veröffentlichung hin und bietet damit eine weitere Gelegenheit, den Film als Werk und als Kommentar über Gerechtigkeit zu erleben.

