Ein provokantes Theaterstück, The Thanksgiving Play von Larissa FastHorse, wird derzeit an mehreren Spielorten gezeigt. Das Stück wirft einen satirischen Blick auf kulturelle Repräsentation und historische Narrative.
FastHorse ist eine US-amerikanische Autorin und Choreografin aus der Sicangu Lakota Nation, einer in South Dakota ansässigen Gemeinschaft der Lakota.
Ihre Geschichte begleitet eine Gruppe gutmeinender, aber kulturell ahnungsloser Theaterleute, die versuchen, eine politisch korrekte Version des ersten Thanksgiving auf die Bühne zu bringen.
Theater als Spiegel kultureller Aufarbeitung
Die Handlung entwickelt sich, während die Künstler*innen mit ihren eigenen Vorurteilen und dem eklatanten Mangel an authentischer indigener Repräsentation in ihrem kreativen Prozess ringen.
Autorin FastHorse nutzt einen humorvollen, scharfzüngigen Satire-Ansatz, um Privilegien, Fehlrepräsentationen und die Schwierigkeit, historische Ereignisse sensibel auf die Bühne zu bringen, zu beleuchten.
Obwohl das Stück klar im US-amerikanischen Kontext verankert ist, dürfte es auch bei europäischem Publikum Anklang finden. Der Blick darauf, wie Geschichte, Kultur und Diversität auf der Bühne dargestellt werden, spiegelt Fragestellungen wider, mit denen sich viele Häuser bereits auseinandersetzen.
Auch die Kritik an performativem Aktivismus und kulturellem Storytelling knüpft an die breitere Debatte um Repräsentation und Inklusion an.
Authentizität auf der Bühne
Das GhostLight Theater, ein soziokulturelles Haus in Benton Harbor, Michigan, beschließt seine Saison bis zum 23. November mit dem Stück.
Gründer Paul Mow, örtlicher Darsteller und Regisseur, nennt es einen „unbeschwerten und zugleich nachdenklichen Jahresausklang“.
Im Stage Left Theater, einer Regionalbühne in Spokane, Washington, hat Regisseurin Misty Shipman, Angehörige des Shoalwater Bay Tribe of Indians, bewusst indigene Stimmen einbezogen.
Dazu gehören BIPOC-Darsteller*innen – Black, Indigenous and People of Color – in aufgezeichneten Videoeinspielern. Im Foyer sind zudem indigene Kunstwerke und Musik von Halluci Nation zu erleben, einer kanadischen Elektronik-Crew, die Aktivismus mit Dance-Beats verbindet.
Misty Shipman möchte mit der Inszenierung eine Debatte darüber anstoßen, wie historische Ereignisse und kulturelle Geschichten dargestellt werden.
Die Fragen nach Vorurteilen, Inklusion und verantwortungsvollem Erzählen sind nicht nur in den USA, sondern weltweit in Theatern und Kulturdebatten relevant.
Sie hofft, dass das Stück zum Nachdenken über eigenes Denken und Sprechen anregt, statt einzelne Leute an den Pranger zu stellen.

