Es passiert nicht jeden Tag, dass ein Stück seine Wurzeln gleichzeitig aufs Korn nimmt und feiert – doch Irishtown schafft das mit Esprit. In New Yorks Irish Repertory Theatre feierte Ciara Elizabeth Smyths neue Komödie Premiere und bietet einen scharfsinnigen, selbstreflektierten Seitenhieb auf theatralische Klischees, der Chaos und Charme perfekt in Einklang bringt.
Wenn sich das Theater selbst auf die Schippe nimmt
Im Zentrum von Irishtown steht eine kämpfende Theatertruppe aus Dublin, die ihr Broadway-Debüt wagt. Was könnte schiefgehen? Fast alles. Während die Untertitel bis zur Premiere herunterzählen, lösen sich die Nerven auf. Poppy (Angela Reed), eine britische Regisseurin mit fragwürdiger Vergangenheit, bändigt die Egos, während Kate Burtons Constance mit bissigem Humor Diva-Energie verströmt.
Die junge Schauspielerin Síofra (Saoirse-Monica Jackson) sorgt für neuen Wirrwarr, während Aisling (Brenda Meaney), die unter Druck stehende Dramatikerin, zu hören bekommt, dass ihre Arbeit nicht „irisch“ genug sei. Es folgt eine urkomische Brainstorming-Session mit Friedhöfen, Großmüttern und endlosen grünen Hügeln. Doch unter der Komik verbirgt sich ein echter Kampf – der Druck, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, während man versucht, etwas Originelles zu schaffen.
Für Liebhaber italienischen Theaters mag dieses Dilemma vertraut erscheinen: der Balanceakt zwischen Tradition und Innovation, Komik und Kommentar. Smyths Drehbuch meistert all das mit Witz und Zuneigung.
Chaos, Kreativität und ein Liebesbrief an die Bühne
Unter der Regie von Nicola Murphy Dubey besticht die Produktion durch ihren lebhaften Rhythmus. Der Dialog knallt, Slapstick gelingt und die Spannung stimmt – immer mit einem Augenzwinkern. Bühnenbildner Colm McNally kreiert eine Backstage-Atmosphäre, die das Publikum direkt ins Geschehen zieht.
Obwohl Irishtown in die Absurdität abdriftet, ist es letztlich ein Tribut ans Theater selbst. Es erinnert uns daran, wie sich das Geschichtenerzählen weiterentwickeln kann, auch wenn alte Motive nachhallen. Wie eine Commedia dell’arte mit modernem Twist ist es gleichermaßen respektlos und respektvoll.
Egal, ob ihr irisches Drama liebt oder einfach eine clevere Neuinterpretation der Theatertradition schätzt – Irishtown ist eine Show, die sowohl euer Lachen als auch eure Bewunderung verdient.

